"Auch heute kommen uns die Polen, die konservativen, glaubens- und kaisertreuen Abgeordneten von dorther zu Hilfe gegen viele Eindringlinge von Osten, gegen ..."
aus: Nachklänge zum Türkenrummel „1883“, in: St. Pöltner Bote, 25.10.1883, S. 2. LINK
"Auch heute kommen uns die Polen, die konservativen, glaubens- und kaisertreuen Abgeordneten von dorther zu Hilfe gegen viele Eindringlinge von Osten, gegen ..."
aus: Nachklänge zum Türkenrummel „1883“, in: St. Pöltner Bote, 25.10.1883, S. 2. LINK
"Hier in unserem Vaterlande Österreich liegen die Verhältnisse so, daß sich die Juden einen Einfluß erobert haben, der mit über ihre Zahl und Bedeutung hinausgeht. (Zwischenruf: Sehr wahr!) In Wien muß der arme Handwerker am Samstag nachmittag betteln gehen, um die Arbeit seiner Hände zu verwerten, betteln muß er beim jüdischen Möbelhändler. (Sehr richtig!) Der Einfluß auf die Massen ist bei uns in den Händen der Juden, der größte Teil der Presse ist in ihren Händen, der weitaus größte Teil des Kapitals und speziell des Großkapitals ist in Judenhänden und die Juden üben hier einen Terrorismus aus, wie er ärger nicht gedacht werden kann. Es handelt sich uns darum, in Österreich vor allem um die Befreiung des christlichen Volkes aus der Vorherrschaft des Judentums."
Aus einer Rede des Bürgermeisters Karl Lueger in der am 20. Juli 1899 abgehaltenen Versammlung des christlich-sozialen Arbeitervereins in Wien, in: Weiningers Nacht, Europa-Verlag, Wien 1989, https://www.habsburger.net/de/rede-karl-luegers-vom-20juli-1899
DIE WIENER STADTHALLE
GEPLANT NACH NOT UND HARTER KRIEGSZEIT ALS ZEUGNIS DER
UNGEBROCHENEN KRAFT DES ARBEITENDEN VOLKES VON WIEN
GEBAUT IN DER JUNGEN FREIHEIT DER HEIMAT ALS VERSPRECHEN
FÜR EINE SCHÖNERE ZUKUNFT
GEWIDMET DER JUGEND WIENS DEM VOLK DER REPUBLIK ÖSTERREICH
UND ALLEN GUTGESINNTEN DER WELT ALS HEIMSTÄTTE
DES FRIEDLICHEN WETTSTREITES DER KÜNSTE UND DES SPORTES
https://bm15blog.wordpress.com/2019/09/02/wiener-stadthalle-groesstes-veranstaltungszentrum-osterreichs/
„in einer Zeit, [...] wo Nationen und Völker, durch Sprache und Glauben getrennt, im Jubel ihres Herzens sich brüderlich umarmten und einen Schleier über die düstere Vergangenheit zogen"
"It`s very trendy to hate Israel, but I have always said ‘fashion for the fragile, style for the brave."
Boy George auf X, April 2026 Anlässlich seiner kommenden Teilnahme am ESC in der Wiener Stadthalle und der diesbezüglichen Debatte um einen Ausschluss Israels von der Teilnahme.
"Wenn EBU-Mitarbeiter im Medienzentrum hinter vorgehaltener Hand sagen, man müsse Österreich 2025 und Bulgarien 2026 dankbar sein, weil ihre Siege jeweils einen israelischen Erfolg verhindert hätten, stellt sich eine einfache Gegenfrage: Wenn ein Land zum Wettbewerb zugelassen ist, dann muss es auch gewinnen dürfen. Alles andere würde die Glaubwürdigkeit des Bewerbs nachhaltig beschädigen."
Marco Schreuder, 17. Mai 2026, Der Standard: https://www.derstandard.at/story/3000000320957/dara-gewinnt-fuer-bulgarien-den-esc-und-die-krise-wandert-an-den-balkan
Das Projekt BAU STELLE ANTISEMITISMUS der praxisgemeinschaft hubin/schneider/schmutz entwickelt, aktiviert und beforscht ein Lerntool zum tief in der Wiener Gesellschaft verankerten Antisemitismus und dessen Verbindungslinien mit der Tradition antimuslimischer Diskriminierung, Antislawismus, Rassismus und der Ausgrenzung und Abwertung von Menschen mit Migrationserfahrungen. Es besteht aus mobilen Boxen, die übereinander geschichtet als Sitzgelegenheiten nutzbar sind, an verschiedenen Orten in Wien auftauchen und Materialien enthalten, die in einem partizipativen Stadtforschungsprozess entwickelt werden.
Aktuelle Termine finden sich hier...
Durch die Arbeit mit ausgewählten historischen Quellen werden Spannungsfelder sichtbar, die an den jeweiligen Orten zusammenlaufen. Im Sinne einer performativen Kontextualisierung fließen dabei auch die Wahrnehmungen, Perspektiven und Widersprüche der Teilnehmenden ein.
Mehr zum Projekt hier...
Projektentwicklung & Leitung: Andrea Hubin (Kunsthistorikerin und Kunstvermittlerin), Wolfgang Schmutz (Bildungsberater u.a. USHMM, Claims Conference, Universität Salzburg), Karin Schneider (Leitung Kunstvermittlung Lentos Kunstmuseum/Nordico Stadtmuseum, Linz)
Kooperationspartner: Wien Museum; Fachdidaktik Geschichte, Universität Wien; Institut für Migrationspädagogik
Künstlerische Gestaltung: Anna Pech & Moritz Matschke (Kunstuni Linz)
Mitwirkende Entwicklung & Reflexion: Anne Pritchard-Smith (Geschichtelehrerin AHS Wien und Fachdidaktik Deutsch Universität Wien), Nora Hasan (Primarstufen Pädadogin, Geschichtsvermittlung bei „March of Remembrance and Hope – Austria“)
Gastbeitrag Box-Entwicklung Capistran Kanzel: Muhammet Ali Baş (Künstler und Kulturvermittler, u.a. Weltmuseum Wien)
Gefördert von der Stadt Wien Kultur (MA 7), im Rahmen des Calls „Zeitgemäße Formen des Erinnerns“ (2024)
"Gerechtigkeit für ein Volk aber kann nur nationale Gerechtigkeit heißen. Zu den Menschenrechten der Juden gehört unabdingbar ds Recht, als Jude zu leben und, wenn es sein muss, zu sterben. Ein Mensch kann sich nur als das wehren, als was er angegriffen wird. Ein Jude kann seine Menschenwürde nur bewahren, wenn er als Jude Mensch sein kann. [...] Ein Volk, dem man nicht erlaubt, sich seiner Feinde zu wehren, ist kein Volk, sondern ein lebender Leichnam. Ein Volk, dem man nicht erlaubt, sich seiner Feinde zu wehren, verurteilt man zu dem menschlich vielleicht sehr erhabenen, politisch aber durchaus unwürdigen Schicksal, Opfer der Weltgeschichte zu werden."
(aus: Hannah Arendt, Ein Mittel zur Versöhnung der Völker (1942), in: Hg. Marie Luise Knott und Ursula Ludz, Hannah Arendt. Wir Juden. Schriften 1932 bis 1966, München (Piper) 2019, S. 171)
Was findet sich unter dem Plan der Parkanlage, und wer wollte es wissen?
Schon 2022 ging es jemandem darum, (eine andere?) Geschichte freizulegen: https://www.diepresse.com/6195325/joseph-samuel-bloch-park-wer-da-die-sachbeschaediger-sind
Weitere (Ge)Schichten erkunden wir am Samstag, 30.05.2026, bei der Fachtagung für Migrationspädagogik
Aus: Ruth Beckermann:”Unzugehörig. Österreicher und Juden nach 1945” Löcker-Verlag, Wien, 1989. S. 12-15
"Es gibt eine Menge Fotos aus dem Wiener März 1938. Grinsende Menschen, die bodenreibenden Juden zusehen, Ich habe mich oft gefragt, wieso in all den Jahren seit Kriegsende niemand auf die Idee gekommen ist, mit dem Foto in der Hand auf die Suche nach diesen Menschen zu gehen. Ihnen ihr Grinsen vorzuhalten.
Die Stadt, in der ich wunderlicherweise geboren wurde, hat ihrer Selbstgerechtigkeit ein Denkmal gesetzt. Das „Mahnmal gegen Faschismus und Krieg“ auf dem Albertinaplatz besteht aus vier mit Namen versehenen Teilen, die chronologisch betrachtet werden sollen und besagen das Tor der Gewalt: Wir waren Opfer. Opfer der Nazis und Opfer des Krieges. Der kniende Jude: Das haben DIE NAZIS (herv. Im Text) den Juden angetan. Der dritte Teil zeigt Orpheus auf dem Weg in die Unterwelt, wo er anscheinend Krieg und Konzentrationslager kennenlernt und doch mit seinem Leierspiel den Höllenhund Kerberos und Hades selbst bezaubert. Dieser gibt ihm Euridike zurück unter der einzigen Bedingung, Orpheus dürfe nicht zurück schauen, bis sie ans Sonnenlicht gelang seien. Orpheus drehte sich jedoch nach seiner Frau um – und verliert sie für immer. Wer zurückschaut, statt den Blick in die Zukunft zu richten wird bestraft. Ende gut, alles gut. Orpheus kehrt zurück in die zweite Republik. Der vierte Teil des Mahnmals ist der Stein der Republik, die Sinngebung des Sinnlosen, das optimistische Ende. Der Massenmord hatte doch einen Sinn, denn frisch und frei entstand die zweite Republik. In den Stein ist die am 27. April verkündete Unabhängigkeitserklärung gemeißelt, die versteinerte Geschichtslüge von Österreich als erstem Opfer Adolf Hitlers, der „das macht- und willenlos gemachte Volk Österreichs in einen sinn- und aussichtslosen Eroberungskrieg geführt hat, den kein Österreicher jemals gewollt hat.“
Dafür sind die Juden nicht umgekommen. Ihr Tod hat überhaupt keinen Sinn gehabt. Weder die Gründung einer zweiten Republik Österreich noch die Gründung eines jüdischen Staats eignen sich als Sinngebung des für die Opfer absolut nutzlosen Todes in einer Gaskammer in Auschwitz oder Mauthausen.
Das Mahnmal gegen Faschismus und Krieg soll auch eine unhistorische, sich an die Friedensbewegtheit anbiedernde Absage an Krieg schlechthin bedeuten. Als hätten nicht gerade die Gegner und Opfer des Nazismus alle Hoffnung in das Näherrücken der Front und die Befreiung der Lager gesetzt. Als hätten singende und betende Friensapostel Auschwitz und Mauthausen und schließlich auch Wien befreit. Das Mahnmal Alfred Hrdlickas kommt der Meinung all jener entgegen, die bedenklos Opfer gegen Opfer aufrechnen: die Kriegsopfer gegen die Opfer der nationalsozialistischen Gesinnung – Juden, Zigeuner, Homosexualle, Geisteskranke. Und die nichts davon wissen wollen, dass es ohne die Begeisterung für den Nazismus auch keinen deutschen Eroberungskrieg gegeben hätte, dass es ohne Coventry kein Dresden und keine Toten des Philipphof auf dem Albertinaplatz gegeben hätte."
„Heute steht der Feind nicht abgegrenzt durch irgendwelche Gräben oder Drahtverhauen uns gegenüber. Nach dem Kriege ist der Feind in das Volk eingedrungen. Fremder Geist und fremde Ideen haben sich in unserem Volke eingenistet und haben böses Unheil angerichtet. […] Wir wollen den Geist in unserer Heimat wieder erneuern in dem Zeichen, in dem vor zweihundertfünfzig Jahren das christliche Abendland vom Asiatentum befreit worden ist, im Zeichen des einfachen Christenkreuzes.“ (Die Neue Zeitung 15.05.1933: 2)
Bundeskanzler Engelbert Dollfuß, Rede im Zuge der "Türkenbefreiungsfeier des Heiamtschutzes" (14. Mai 1933), Schloss Schönbrunn
Am 12. September 1948 sprach Bundeskanzler Leopold Figl zum Gedenken an den Entsatz von Wien 1683 am Kahlenberg. Österreich habe sich damals entschlossen, „dem Ansturm auf Europa nicht nur im eigenen Interesse, sondern auch durchgedrungen von der Überzeugung standzuhalten, daß es gelte, das Abendland vor dem Untergang in den Wellen einer grausamen, seinem Wesen fremden Macht zu retten“. (Das Kleine Volksblatt 14.09.1948)
In Reaktion auf diese Ansprache wurde in der Wiener Tageszeitung „Der Abend“ am 13. September 1948 ein durchaus kritischer Kommentar veröffentlicht, der gleich zu Beginn die zentrale Frage stellte: „Wer sind die Türken von heute?“ Von all den gezogenen Parallelen zwischen Vergangenheit und Gegenwart hätte Bundeskanzler Leopold Figl „mit einem unfehlbaren Sinn für den rhetorischen Wert der Banalität“ den „billigsten Vergleich“ gezogen, heißt es weiter. „Wien als vorgeschobener Posten der vom Osten bedrohten abendländischen Zivilisation. Wer kennt das nicht?“.
Im Vergleich zu Leopold Figl, der in seiner Rede die Opferrolle Österreichs weiter betonte, fanden die übrigen Redner klarere Worte. So meinte etwa Legationsrat Tykocinsky von der polnischen Gesandtschaft in Österreich: „Die abendländische Zivilisation war in den letzten Jahren von niemand anderem als von dem deutschen Nationalsozialismus bedroht, und die Befreierarmeen, die Wien im Jahr 1945 retteten, kamen aus dem Osten.“ (Der Abend 13.09.1948: 2) Bürgermeister Körner erinnerte zwar an den Zusammenhalt der Wiener, betonte jedoch zugleich, dass die „berühmte ‚europäische Schicksalsgemeinschaft‘ gegen die Türkengefahr eine Geschichtslüge“ sei, „da Frankreich und Preußen nicht dabei waren, als König Sobieski mit seinem gemischten Entsatzheer vor den Mauern Wiens erschien“ (ebd.). Der Historiker Otto Forst-Battaglia ging in seiner Argument noch einen Schritt weiter und meinte, dass „der damalige Westen, verkörpert im Frankreich des Sonnenkönigs“ nicht nur nicht anwesend war, sondern die Osmanen „insgeheim unterstützte“ (ebd.).
Quelle: https://www.oeaw.ac.at/tuerkengedaechtnis/denkmaeler/ort/leopoldsberg-heimkehrer-gedaechtnismal
Der Physiker und Nobelpreisträger Isaac S. Rabi erinnert sich, dass seine Mutter ihn als Kind stets mit dieser Frage begrüßte, wenn er aus der Schule nach Hause kam. Der Historiker Yosef Hayim Yerushalmi zitiert dieses Lob einer fragenden Haltung in den Vorbemerkungen zu seinem Vortrag „Exil und Vertreibung in der jüdischen Geschichte“ (1992). Er beruft sich darauf als Vorbild der eigenen tastenden Annäherung an das „dialektische Spannungsverhältnis von Exil und Domizil“, mit dem er ein differenzierteres Bild vom Exil als „Grundbedingung jüdischer Existenz“ zeichnen will. Dieses soll auch Gefühlen der Verwurzelung, des „'Zuhauseseins' in den Städten und Ländern der Zerstreuung“ Raum geben. „Denn nur wenn wir wissen, wie stark Juden den Orten, an denen sie wohnten, zugetan waren, können wir nachempfinden, wie bitter die Erfahrung der Vertreibung gewesen sein muß.“ (S. 29) Und andererseits erkennen, dass eine „Lehre der Judenverachtung“ gerade auch unter Bedingungen eines gelungenen Zusammenlebens der Religionsgruppen, kultureller Assimilation und der Durchlässigkeit sozialer Barrieren ausgebildet wurde, um einer Aufweichung des Status als „geduldete Fremde“ entgegenzuwirken.
(Nachzulesen bei: Yosef Hayim Yerushalmi, Ein Feld in Anatot. Versuche über jüdische Geschichte, Berlin 1993, S. 21-38)
In Kooperation mit dem Wien Museum lädt die BAU STELLE ANTISEMITISMUS zum Grätzlrundgang ins Weißgerberviertel. Anmeldung erforderlich: https://www.wienmuseum.at/event/3388
Auf die Frage, wie die Zusammenarbeit im “deutsch-jüdischen Schreibkollektiv” (Heinz Bude, Natan Sznaider, Karin Wieland) des Theaterstücks “Niemandes Schwester” funktioniert hätte, antwortet der Soziologe Heinz Bude mit der Erinnerung an eine Aussage seines Co-Autors, Natan Sznaider, …
Nachzuhören ab ca. Min. 1h16min hier: https://koerber-stiftung.de/en/media/von-der-menschlichkeit-in-finsteren-zeiten/
https://www.suhrkamptheater.de/stueck/niemandes-schwester-tt-102644